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Bavarois Offline




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24.11.2007 22:31
Sexuelle Gewalt nimmt zu antworten


Algerien:
Angst und Scham lassen Opfer schweigen

Algier. Algeriens Nationalpolizei warnt in einem neuen Bericht von einer alarmierenden Zunahme sexueller Gewalt. Frauenorganisationen zufolge stellen die vorgelegten Zahlen nur die Spitze des Eisbergs dar, weil in dem islamischen nordafrikanischen Land viele Opfer aus Scham und Angst vor Diskriminierung schweigen.

Der Untersuchung zufolge wurden in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres 847 sexuell motivierte Übergriffe auf Frauen wie Vergewaltigung, sexuelle Belästigung, Inzest, Entführung und Freiheitsberaubung registriert. 88 der Vergewaltigungsopfer waren minderjährig.

Aus der Studie geht ferner hervor, dass die mutmaßlichen Täter in 255 der angezeigten Fälle arbeitslos waren. In fünf Fällen handelte es sich bei den Angreifern um Selbstständige, in neun um Staatsbedienstete und in 13 um Lohnempfänger. Die meisten sexuellen Delikte werden in den dicht besiedelten urbanen Zentren des Landes verübt.

Festgenommen und vor Gericht gebracht wurden 239 der angezeigten Männer, 255 zu Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren verurteilt, 16 Angeklagte kamen mangels Beweisen frei. In sieben Fällen waren die Täter minderjährig, und in 157 Fällen handelte es sich um junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 28 Jahren.

Von Januar bis September kamen 246 Vergewaltigungsfälle vor Gericht, 2006 waren es im gleichen Zeitraum 241 gewesen. Insgesamt wurden 2006 316 Vergewaltigungsfälle und ein Jahr zuvor 307 Vergewaltigungen bei der algerischen Polizei gemeldet.

"Die Zahl der vergewaltigten Frauen, die wir psychologisch betreuen müssen, steigt", berichtete Amina Derradji. Die Vorsitzende der in der Hauptstadt Algier ansässigen Hilfsorganisation 'Femmes en détresse' ('Frauen in Not') erklärte: "Viele zögern, ihre Peiniger vor Gericht zu bringen. Anstatt um Hilfe zu rufen, ziehen sie es aus Furcht vor den Vorurteilen und den einschlägigen Tabus der algerischen Gesellschaft vor, ihr Elend schweigend zu ertragen."

Das trifft auf Houda T. aus Algier zu, die von einem Vorgesetzten vergewaltigt wurde. Sie ging nicht zur Polizei, sondern schwieg und gab ihren Job auf. Auch Zina T. aus der zentralalgerischen Kabylei verzichtete auf eine Anzeige, als ein Freund, der sie zu einer Autofahrt aufs Land eingeladen hatte, plötzlich über sie herfiel. Nur weil sie sich mit aller Kraft wehrte, entging die 25-jährige Studentin einer Vergewaltigung. "Ich wollte die Situation nicht noch verschlimmern. Eine Anzeige hätte einen Familienkrieg auslösen können", sagte sie.

Härte Strafen gefordert

Das algerische Strafrecht sieht bei sexuellen Übergriffen Gefängnisstrafen zwischen fünf und zehn Jahren vor, doch das Strafmaß scheint potentielle Täter nicht abzuschrecken. "Um Frauen besser vor einem solchen Martyrium zu schützen, muss die Gesellschaft auf drakonischen, stärker abschreckenden Strafen bestehen, vor allem auf weit höheren Gefängnisstrafen" erklärte der Anwalt Amar Zaidi aus Tizi Ouzou in der Kabylei.

Hilfe benötigen vor allem Frauen, die nach einer Vergewaltigung schwanger werden. Ihnen sollte man die Möglichkeit geben, die ihnen aufgezwungene Schwangerschaft legal abzubrechen, forderte der Arzt Mohamed Bekat Berkani. Während einer von der regierungsnahen Tageszeitung 'El Moudjahid' im Oktober in Algier organisierten Tagung verlangte er, betroffenen Frauen eine Abtreibung zu erlauben. Mit dieser Bitte richtete er sich auch an die Religionsführer des Landes und bat sie, Vergewaltigungsopfer vom religiösen Abtreibungsverbot auszunehmen.

"Die schwierigen sozialen Verhältnisse hindern viele junge Männern daran, zu heiraten und eine Familie zu gründen", erklärte der in der Kabylei lebende Psychiater Rabah Amireche. "Weil sie ihre sexuellen Bedürfnisse nicht im gesellschaftlich erlaubten Rahmen befriedigen können, kann sich ihre Frustration in Vergewaltigung entladen", warnte er. (afrika.info/IPS)




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