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Bavarois Offline




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04.09.2007 21:21
Solar-Strom aus Wüstenlanschaft Antworten



In Südspanien herrscht Goldgräber-Stimmung
Von Hans-Günter Kellner

Sonne und Wind beherrschen das Klima in Andalusien. So entstehen in der Gegend um Tarifa riesige Windparks, und auch Fotovoltaik-Anlagen schießen wie Pilze aus dem Boden. Große Hoffnung setzen die Wissenschaftler auch auf solarthermische Kraftwerke. Diese Technik ist relativ simpel: Mit der Hitze der Sonne wird Wasser zu Dampf erhitzt, der Turbinen antreibt.

Schwere Lastwagen fahren Erdaushub von den Feldern La Calahorras. Die Gegend ist in Staub gehüllt, doch hier zwischen Granada und Almería sind die Menschen stolz auf die Baustelle. "Hier wird an der Zukunft gebaut", sagt auch Ingenieur Oliver Vorbrugg vom Erlanger Unternehmen Solar-Millenium, das unter Andalusiens Sonne das größte solarthermische Kraftwerk der Welt baut:

"Parabolrinnenkraftwerke sind sehr ähnlich wie Dachrinnen, überdimensionale Dachrinnen. Insgesamt ist eine Kollektoreinheit 150 Meter lang und 6 Meter breit. Die Rinne wird eindimensional der Sonne nachgeführt. Das heißt, im Osten wird der Spiegel morgens hingerichtet, folgt dann dem Sonnenverlauf und neigt sich abends gegen Westen."

Die Parabolrinnen konzentrieren dieses Sonnenlicht auf ein mit Öl gefülltes Rohr in der Mitte. Das Öl wird dort 400 Grad Celsius heiß und erhitzt Wasser. Mit diesem Dampf erzeugt eine Turbine 50 Megawatt Strom. Solche Kraftwerke wurden bereits in den 80er Jahren in Kalifornien errichtet, sind inzwischen aber deutlich verbessert. So werden die insgesamt drei Kraftwerksblöcke in Calahorra künftig auch nachts Solarstrom erzeugen, erklärt Ingenieur Vorbrugg:

"Wenn nicht überhaupt der entscheidende Unterschied zu den Kraftwerken in Kalifornien ist ein sehr großer Salzspeicher. Dieser Speicher dient dazu, dass die Wärme, die tagsüber gesammelt wird, gespeichert wird in großen Flüssigsalzspeichern, so dass die Energie auch nachts abgegeben werden kann und man dadurch, wenn die Anlage denn groß genug ausgelegt wird, Tag und Nacht durchgehend produzieren kann."

Das Salz wird durch die Hitze tagsüber bis zu 380 Grad heiß und gibt diese Hitze nachts wieder an das Öl ab, so dass Wasserdampf für die Turbinen erzeugt werden kann. Das spanische Bauunternehmen ACS-Cobra führt den Bau der ersten beiden Kraftwerksblöcke aus. Ein dritter wird vom portugiesischen Energiekonzern Galp finanziert. Zahlreiche finanzstarke iberische Bau- und Energiekonzerne sind inzwischen an der Errichtung solcher Kraftwerke beteiligt. Sie haben in den letzten zehn Jahren mit der guten Konjunktur viel Geld verdient und suchen nach neuen Geschäftsfeldern.

Inzwischen ist hier tatsächlich eine Goldgräberstimmung. Es sind inzwischen viele Firmen gegründet worden, die versuchen, an jeder nur erdenklichen Stelle in Spanien Solarkraftwerke zu bauen. Das gleiche gilt für andere erneuerbare Energiequellen wie Wind und Biomasse. Es wird uns die Tür eingerannt, weil wir die Technologie kennen. Es gibt aber auch zahlreiche andere spanische Firmen, die unheimlich viel Ressourcen und Kapital da investieren.

Entwickelt wurde diese Generation der Parabollrinnenkraftwerke maßgeblich in der nur 50 Kilometer entfernten "Solarplattform Almería", einem der bedeutendsten Forschungszentren für thermische Solarenergie. Künftig sollen diese Kraftwerke direkt Wasser erhitzen, was die Anlagen verbilligen würde. Zudem werden auch Solartürme erprobt. Dabei konzentrieren Hunderte von Spiegeln das Sonnenlicht auf einen Betonturm, an dem ein Empfängermodul angebracht ist. Auch dort fließt Wasser durch Rohre und wird so heiß, dass schließlich Dampf in Turbinen Strom erzeugt. In Sevilla ist jetzt das erste kommerzielle Kraftwerk dieser Art in Betrieb gegangen. Diego Martínez ist der Leiter der Solarplattform. Er hat eine Vision:

"Die Staaten in Nordafrika sind zwar arm, haben aber viel Sonne. Sie können für Europa unendlich viel Energie produzieren. Das bisherige Problem des Energietransports wäre leicht zu lösen. Wir arbeiten derzeit mit Algerien an einem solchen Projekt, dort ist man sehr interessiert an dieser Idee. Ob wir Algerien nun Gas abkaufen oder Sonnenenergie, was wäre der Unterschied?" '

Wer in Spanien sauberen Strom aus erneuerbaren Quellen in das Netz einspeist, erhält dafür vom Energieversorger deutlich mehr Geld, als er für Strom aus dem Netz bezahlt. Dies ist der eigentlich Grund, weshalb die regenerativen Energiequellen in Spanien nun rentabel sind und so stark boomen. Diese Subventionen sind nicht unumstritten. Aber Diego Martínez hält die Sonnenenergie nicht für zu teuer:

"Die Kosten der konventionellen Energieformen sind doch nicht richtig berechnet. Die Kosten des Klimawandels bei Gas und Kohle müssten berücksichtigt werden, ebenso die Kosten der Endlagerung bei der Atomkraft. Wir produzieren hingegen keinen Klimawandel. Diese sogenannten Subventionen für erneuerbare Energiequellen sind eine Investition in die Zukunft - für alle."

Deutschlandfunk






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