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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 ISLAM IN DEUTSCHLAND
Bavarois Offline




Beiträge: 804

04.09.2008 17:21
Halal-Food antworten

Muslime im Einsatz gegen Betrug


Immer wieder werden Halal-Richtlinien in der Lebensmittelindustrie verletzt. Ein Bericht aus den USA und Malaysia

(halalfocus). Wenn normale Verbraucher Fleisch kaufen, denken sie über kaum mehr nach als über dessen Qualität und seinen Preis nach. Zeigen sie das gleiche Fleisch praktizierenden Muslimen, werden diese einen Haufen Fragen stellen: Wurden rituelle Formeln vor der Schlachtung gesprochen, sind die Tiere fachmännisch geschlachtet worden oder kam das Fleisch vorher mit Alkohol in Berührung?



Die Industrie für jene Lebensmittel, deren Verbrauch für Muslime nach islamischem Recht erlaubt ist, legt in ihrem Umsätzen zu - sowohl im Westen als auch in anderen Teilen der Welt. In diesem Jahr soll sie einen geschätzten Umsatz von 375 Milliarden Euro haben, wobei sie nicht nur an Muslime verkauft, sondern in zunehmendem Maße auch an nichtmuslimische Kunden. Aber der Anstieg der Nachfrage nach so genannten "Halal-Produkten" hat auch zu einem Anstieg von betrügerischen Aktivitäten geführten, bei denen Produzenten und Exporteure Lebensmittel als "Halal" deklariert haben, obwohl dies nicht der Fall ist.(1) Dieses Problem hat bei Muslimen weltweit dazu geführt, den Prozess der Halal-Zertifizierung zu überdenken und jene Möglichkeiten zu reduzieren, in denen der muslimische Glauben zum Zwecke eines schnellen Gewinns ausgenutzt werden kann.



Diese Problemlage war eines der Hauptthemen beim diesjährigen Treffen des World Halal Forum Anfang Mai in Malaysia. Dort wurde die "International Allianz für die Halal-Qualität" (IHI) etabliert, die dem Betrug in Sachen Halal das Handwerk legen soll und außerdem der Vereinheitlichung von Regeln dienen soll. Die Allianz arbeitet augenblicklich auf freiwilliger Basis, bei der Firmen die IHI-Standards anwenden. Wird eine Zertifzierungsstelle von der IHI anerkannt, erhalten die von ihr überprüften Produkte eine größere Glaubwürdigkeit. "Hier handelt es sich um eine Gruppe von Leuten, die kein weiteres Interesse haben als die Glaubwürdigkeit von Halal-Produkten", erklärte Nordin Abduallah, stellvertretender Vorsitzender des World Halal Forum.



Bis heute gibt es noch keine zentralisierte Körperschaft, die Standards für Halal-Lebensmittel festlegt und Zertifizierungsorganisationen akkreditiert. Das Fehlen einer geordneten Qualitätsprüfung hat sich in einigen Ländern als problematisch erwiesen, darunter auch Staaten des Nahen Osten, die einen wesentlichen Prozentsatz der weltweiten muslimischen Bevölkerung ausmachen. Überraschenderweise sind es Staaten wie die USA, Thailand oder auch die Philippinen (2), die eine positive Bilanz in Sachen Überprüfung von Halal-Lebensmitteln vorweisen können. "Insbesondere jetzt, wegen der Entwertung des US-Dollar, gibt es einen Anstieg in der Nachfrage nach amerikanischen Produkten in der muslimischen Welt", berichtet Jalel Aossey, Entwicklungsdirektor Midamar, die Halal-Lebensmittel produziert und exportiert.



Problematisch sieht es bei den US-Exportregeln für Lebensmittel aus. Während die internen Regelungen ziemlich streng sind und falsche Auszeichnung von Lebensmitteln zu schweren Geldstrafen führen kann, sind die Gesetze für den Export wesentlich laxer. Aossey erklärte die Problemlage wie folgt: "Viele Lebensmittelimporteure kaufen wissentlich amerikanische Produkte auf, die nicht halal sind, und versehen diese dann mit Auszeichnungen vermeintlicher Halal-Zertifizierungsstellen. Die Zertifikate werden von den Produkten getrennt versandt und so können Importeure, insbesondere in der arabischen Welt, vorweisen, dass die importierten Güter Halal sind."



Bisher sei in den USA die absolute Mehrheit der Lebensmittel nicht als Halal ausgewiesen, sagt Aossey. "Sie können in jeden Supermarkt in den Nahen Osten gehen und finden dort amerikanische Güter, die als Halal verkauft werden. Aber sie werden niemals erleben, dass diese Produkte in den USA als 'Halal' zu kaufen sind." Aossey ist überzeugt, dass viele Menschen schockiert wären, wenn sie erfahren würden, wie wenig von den als "Halal" verkauften Produkten tatsächlich nach islam-rechtlichen Maßstäben akzeptabel seien.



Den Verbrauchern im Nahen Osten ist dieses Problem in zunehmenden Maße bewusst und sie haben die Verpflichtung, eine wesentlich aktivere Rolle dabei zu spielen, was nach islamischem Recht annehmbar sei und was nicht. Jalel Aosseys Unternehmen ist dabei, eine Verbraucherorganisation aufzubauen, die US-amerikanischen Lebensmittelproduzenten kontaktieren will und sie bitten möchte, auf ihren Produkten zu verzeichnen, ob diese Halal seien oder eben nicht. Es sei relativ einfach zu überprüfen, ob ein Zeugnis legitim sei oder nicht. Sollten US-amerikanischer Produzenten erklären, dass sie keinen Halal-Produkte erzeugen, diese aber in Übersee als "Halal" ankämen, dann sei das ein Hinweis darauf, dass jemand in den USA Lebensmittel als erlaubt deklariere, bevor sie das Land verließen.



In gewisser Hinsicht könne die Industrie von der jüdischen Koscher-Industrie lernen, bei der Produkte direkt auf den Verpackungen als religiös annehmbar deklariert seien. "Lebensmittel gelten nur dann als koscher, wenn sie mit einem Siegel versehen seien. Zertifikate gelten aus einsehbaren Gründen nicht als annehmbar", beschreibt Aossey die Herausforderungen für die Produktion annehmbarer Lebensmitteln.



Überraschenderweise sind es die südostasiatischen Länder und nicht der Nahe Osten, welche die Bemühungen bei der Regulierung von Halal-Standards anführen. In Malaysia gibt es beispielsweise ein System, bei dem ein Verbraucher ein Produkt aus einem Supermarktregal nehmen und dessen Streifencode in einer SMS an eine zentrale Datenbank senden kann. Er oder sie erhält eine Nachricht, die ihn darüber informiert, ob ein Produkt bei der Halal-Zertifizierungsbehörde verzeichnet ist oder nicht.



Nach Ansicht von Nordin Abduallah könne es zu Betrug in Sachen Halal sowohl absichtlich als auch durch Unkenntnis kommen. "Vielleicht gibt es einige clevere Werbeleute, die ein Halal-Logo auf ein Produkt bringen wollen, weil es sich dann besser im Nahen Osten verkaufen lässt, ohne dass sie wissen, für was es wirklich steht." Andererseits gebe es Leute, die wissen, dass sich Bestandteile von Schweinefleisch in ihren Produkten finden und sie es trotzdem tun. Alle Paar Wochen stoße er auch eine Firma, die dergleichen tut. Allerdings geht der Funktionär davon aus, dass der wachsende Gebrauch des Internets dazu führen, dass ein solches Verhalten wesentlich schneller bekannt werde als früher.



Es wüchsen aber auch die Gefahren, dass es zu Verunglimpfungen kommen könnte. So könnten Firmen und Produzenten - vielleicht von einem Mitbewerber - des Betrugs bezichtigt werden, wenn es in Wirklichkeit keine Probleme mit ihren Produkten gebe. "Die IHI spielt eine wachsende Rolle als Regulierungsbehörde, weil sie Firmen beschützt, die richtig handeln und natürlich auch die Verbraucher", meint Abduallah.



Jalel Aossey ist der Ansicht, dass es, obwohl einige Mitglieder der Halal-Industrie absichtlich falsch handeln würden, darüber hinaus einen Mangel an Wissen darüber gebe, wie ein Produkt beschaffen sein muss, um zertifiziert zu werden. "Einige Unternehmen glauben, dass es sich dabei bloß um einen bürokratischen Vorgang handelt. Sie verstehen nicht, dass es sich dabei um einen tatsächlichen Prozess von der Schlacht bis zur Verarbeitung handelt", erläutert er.



Was ist Halal?

Halal ist ein arabisches Wort, dessen Bedeutung auch mit "erlaubt" übersetzt werden kann. Es bezieht sich auf alles, was nach der Schari'a als erlaubt gilt - im Gegensatz zu Dingen, die Haram, oder verwehrt sind. In Sachen der Lebensmittelproduktion bezeichnet "Halal" jene Produkte, deren Konsum für die Muslime aus islam-rechtlichen Gründen erlaubt ist.



Im Qur'an findet sich die folgende Passage: "Verboten ist euch das Verendete sowie Blut und Schweinefleisch und das, worüber ein anderer als Allahs Name angerufen wurde; das Erdrosselte, das zu Tode Geschlagene, das zu Tode Gestürzte oder Gestoßene und das, was Raubtiere angefressen haben, außer dem, was ihr geschlachtet habt, ferner das, was auf einem heidnischen Opferstein geschlachtet worden ist, und ferner (ist euch verboten), daß ihr durch Lospfeile das Schicksal zu erkunden sucht. Das ist eine Freveltat." (Al-Ma'ida, 3)



Auf Grundlage dieser Quelle und anderer Rechtsgrundlagen hat beispielsweise der Islamische Rat für Lebensmittel und Ernährung in America (IFANCA) Lebensmittel als haram bezeichnet, welche die folgenden Kriterien erfüllen:



• Schweinefleisch und seine Nebenprodukte

• Tiere, die unsachgemäß geschlachtet wurden oder bereits vor der Schlachtung verstarben

• Tiere, die in einem anderen Namen als den von Allah geschlachtet wurden

• Alkohol und Rauschmittel

• Fleischfressende Tiere und Raubvögel

• Blut und seine Nebenprodukte

• Lebensmittel beziehungsweise Rohstoffe, welche die oben genannten Bestandteile enthalten



Nach Ansicht vieler Fachleute aus der Branche seien Zusätze wie Gelatine, Enzyme oder Emulgatoren fragwürdig, weil die Herkunft solcher Inhaltsstoffe unbekannt sei und sie sich daher einer Einordnung als Halal oder Haram entzögen.



Damit Fleisch als Halal eingestuft werden kann, müssen gewisse Regeln bei der Behandlung der Tiere befolgt werden:

• Tiere müssen normal gefüttert werden und sollten vor der Schlachtung Wasser erhalten

• Tiere dürfen nicht die Schlachtung anderer Tiere beobachten

• das Messer muss extrem scharf sein und die Kehle des Tieres von Blutgefäß zu Blutgefäß in einer Bewegung durchschneiden

• sowohl der Metzger als auch das Tier sollten in Richtung Mekka blicken.



(1) siehe beispielsweise die diversen Fleischskandale in Teilen der deutschen Dönerproduktion

(2) vom augenblicklichen Marktführer Malaysia einmal ganz abgesehen




amra Offline



Beiträge: 156

12.10.2009 12:01
#2 RE: Halal-Food antworten

Hallo,

hier ein interessanter Beitrag über den wachsenden "Halal Markt":

Halal :Hoch im Kurs



Islamkonform hergestellte Lebensmittel oder Kosmetika sind gefragt wie nie zuvor. Doch steht dieser Trend nicht nur für die wachsende Bedeutung muslimischen Konsumverhaltens, sondern auch für einen Wandel ihres gesellschaftlichen Selbstbewusstseins. Von Daniela Schröder



"Halal" essen ist bei Muslimen in Europa sehr en vogue, teils aus religiösen Gründen, teils auch, weil es Identität stiftet und ein Gemeinschaftsgefühl vermittelt.
Gehlenberg ist ein verschlafenes Dorf im Süden des Oldenburger Landes. Gut 1.600 Einwohner, Vereinshaus, Kirche, Kriegerdenkmal, die Kneipe heißt "Paraplü", die Gaststätte "Hüttenbernd".

An den Straßen mehrere Kruzifixe und eine winzige Kapelle, die Gegend ist erzkatholisch. In einer Fabrikhalle am Ortsrand aber läuft an drei Tagen pro Woche alles nach den Regeln des Propheten Mohammed.

Das Familienunternehmen Meemken produziert dort ein breites Sortiment an Würsten, das islamischen Vorschriften entspricht. Fast 100 Tonnen "islamisch-korrekt" produzierte Salami, Brat- und Fleischwurst liefert der Betrieb jede Woche an Lebensmittelhändler im In- und Ausland.

Die Verlockungen neuer Absatzmärkte

Internationale Nahrungsmittelkonzerne wie Nestlé oder Unilever bieten schon seit Jahren eine Vielzahl von Produkten, die im Sinne des Korans als unbedenklich gelten. "Halal" auf Arabisch und "Helal" auf Türkisch bedeutet "das Zulässige" oder "das Erlaubte". Der Begriff bezieht sich auf die gesamte Lebensweise von Muslimen. Die richtige Ernährung spielt dabei eine wichtige Rolle.

Dass sich mit dem religiös geprägten Konsumverhalten der Muslime gut verdienen lässt, erkennen allmählich auch deutsche Unternehmen. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist der Gedanke verlockend, neue Märkte zu erschließen.



Wachsende Nachfrage und neue Absatzmärkte: "Halal"-Food ist weltweit auf dem Vormarsch
Und diese Märkte sind allein in Deutschland größer als bisher angenommen. Schätzungsweise zwischen 3,8 bis 4,3 Millionen Muslime leben gegenwärtig in der Bundesrepublik.

Weil sie gemessen am Bevölkerungsdurchschnitt mehr Kinder haben, gelten muslimische Verbraucher als einer der interessantesten Zielgruppen mit großer Zukunft. Bereits heute macht "Halal"-Food rund 17 Prozent des weltweiten Nahrungsmittelumsatzes aus, heißt es etwa beim "World Halal Forum" in Malaysia.

Und das Potenzial sei längst nicht erschöpft, sagen Branchenkenner – kein Segment auf dem Lebensmittelmarkt wachse so schnell wie "Halal": 2004 habe der weltweite Umsatz mit islamkonformen Lebensmitteln 587 Milliarden US-Dollar betragen, 2010 würden es bereits 641 Milliarden Dollar sein. Experten gehen für das kommende Jahr von einem Umsatz von 67 Milliarden Euro im europäischen "Halal"-Markt aus.

Länder mit vielen muslimischen Einwohnern haben sich auf deren Konsumwünsche bereits eingestellt: In Frankreich bieten die Supermärkte der Kette Casino gemäß "Halal"-Vorgaben Fleisch- und Wurstwaren an, in England sind es Tesco und Sainsbury.

Französische Feinkostläden führen "Halal"-Gänseleberpastete, die britische Drogeriekette Boots verkauft islamkonform hergestellte Babynahrung, und vom guten Absatz in London beflügelt will McDonalds bald auch anderswo in Europa "Halal"-Hühnchen servieren.

Streitfall Schächtung

In deutschen Supermärkten aber ist das Angebot eher mau. Besonders vor Fleisch und Wurst aus "Halal"-Schlachtung schrecken viele Händler zurück, da sie Ärger mit Tierschützern befürchten.

Das Bundesverfassungsgericht hatte zwar bereits im Januar 2002 bestätigt, dass muslimische Metzger aus Gründen der Religionsfreiheit per Ausnahmegenehmigung Schlachttiere mit einem Kehlschnitt und ohne Betäubung töten dürften, wenn ihre Glaubensrichtung dies gebietet.



Noch fehlt eine übergeordnete Aufsicht für ein gemeinsames Prüfsiegel. Entsprechend groß und ungeordnet ist der Markt der "Halal"-Zertifizierer, die Rohstoffe, Herstellung, Reinigung und Zulieferer kontrollieren.
Immer wieder aber kommt es zu Schwierigkeiten, wie zuletzt in einem Prozess, den der türkische Metzger Rüstem Altinküpe gegen das Hessische Verwaltungsgericht führte – und vor kurzem durch die erneute Bestätigung durch das Verfassungsgericht gewann.

Den meisten Muslimen gilt ein betäubtes Tier bereits als tot und dessen Verzehr verstößt daher gegen das Aas-Verbot im Koran. Um das Problem zu umgehen, kaufen viele deutsche "Halal"-Produzenten ihr Fleisch im Ausland.

Doch auch in islamischen Kreisen ist das Thema Schächten umstritten. "Man muss verstehen, aus welcher Zeit die Regeln des Propheten stammen und darf sich nicht blind an traditionelle Vorgaben halten", sagt etwa Yusuf Çalkara vom Europäischen Halal-Zertifizierungsinstituts in Hamburg. Andere Zertifizierer lehnen es dagegen ab, Fleischbetriebe zu prüfen.

"Industriefleisch ist nie 'Halal'", sagt Mahmoud Tatari von Halal Control in Rüsselsheim. Laut islamischer Norm dürfen die Tiere weder Stress noch Qualen ausgesetzt sein, doch diese Vorschrift könne die Massenproduktion nicht erfüllen.

Auch Regeln wie das Rufen Allahs beim Schlachten eines jeden Tieres sehen die Zertifizierer unterschiedlich streng. Manchen reicht bei maschinellem Schlachten ein Ruf vom Tonband, starten muss es jedoch ein Muslim. Wegen der unterschiedlichen Auslegungen der Koran-Regeln haben sich Deutschlands gläubige Muslime bisher nicht auf einheitliche "Halal"-Standards einigen können.

Noch fehlt zudem eine übergeordnete Aufsicht für ein gemeinsames Prüfsiegel. Entsprechend groß und ungeordnet ist der Markt der "Halal"-Zertifizierer, die Rohstoffe, Herstellung, Reinigung und Zulieferer kontrollieren.

"Bei 'Halal' wachsen wir überproportional"

Der Wursthersteller Meemken hat das Audit gerade erfolgreich abgeschlossen. Seine 60 "Halal"-Artikel machen bereits mehr als die Hälfte der gesamten Produktion aus. Bisher belieferte der Betrieb Handelsketten im europäischen Ausland, jetzt stehen auch deutsche Filialen des Discounters Netto auf der Kundenliste. Angefangen hat alles mit türkischen Großhändlern, die in Gehlenberg anfragten, ob Meemken auch "Halal" produzieren könnte.

Noch werden die Maschinen penibel gereinigt, damit an den "Halal"-Tagen keine Spuren von Schweinefleisch in die Würste gelangen. Eine neue Anlage soll die Produktion bald trennen. "Wir werden den Bereich auf jeden Fall weiter ausbauen", sagt Geschäftsführer Rolf Meemken. "Bei 'Halal' wachsen wir überproportional."

Auch der Geflügelhersteller Wiesenhof lässt seine Produkte bereits seit Jahren als islamkonform zertifizieren. Ob ein "Halal"-Logo auf der Ware klebt, das entscheiden Großhändler und Supermarktkette jedoch selbst.

"Deutsche Unternehmen sind zu vorsichtig", sagt Levent Akgül von der Ethno-Marketing-Agentur Akkar Media in Hannover. "Sie kennen die andere Kultur nicht und können Risiken nicht abschätzen."

Außerdem fürchte sich der deutsche Lebensmittelhandel davor, mit "Halal"-Ware in den Regalen nicht-muslimische Kunden abzuschrecken, sagt Akgül. In Deutschland Werbung für islamkonforme Produkte zu machen, sei für heimische Unternehmen daher tabu.

Wohl nicht mehr lange. "Der 'Halal'-Trend ist nicht aufzuhalten", sagt Peter Groethues, Chef des Bereichs Ernährung bei der Kölnmesse. Dort präsentieren auf der Lebensmittelausstellung ANUGA im Oktober mehr als 800 Aussteller ihre "Halal"-hergestellten Produkte. Der Großteil kommt aus dem Ausland, viele exportieren schon seit Jahren nach Deutschland.

Mehr Umsatz als mit Bioware

Noch gibt es ihre Produkte vor allem im "Onkel Ahmed-Laden" um die Ecke. "Doch 'Halal' wird für den Handel ein immer wichtigerer Pfeiler", heißt es beim Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels. Kein Wunder, allein die Kaufkraft der Deutsch-Türken liegt bei geschätzten 25 Milliarden Euro im Jahr. Am Geschäft mit religiösen Regeln lässt sich daher gut verdienen, Nestlé etwa macht mit "Halal"-Produkten schon jetzt mehr Umsatz als mit Bioware.



Gefragter als Bioware: Einige Lebensmittelhersteller machen mit "Halal"-Produkten schon jetzt mehr Umsatz als mit Bio-Erzeugnissen.
Denn es geht nicht nur um Fleisch und Wurst. "Halal" können alle Lebensmittel sein, vom Käse ohne tierische Enzyme bis zu Keksen, Gewürzen und Kaffee, wenn die Hersteller ihre Produktionsanlagen mit alkoholfreien Mitteln putzen. Vor kurzem kamen Haribo-Gummibärchen mit Rinder- statt mit Schweinegelatine auf den Markt – und auch Apfelsaft gibt es mittlerweile in Versionen, die nicht mit Schweinegelatine gefiltert wurden.

"Aber der 'Halal'-Markt ist längst nicht gesättigt", sagt Derya Altay vom Bundesfachverband des türkischen Groß- und Einzelhandels. "Wo der deutsche Verbraucher aus zig Sorten auswählen kann, hat der muslimische Käufer gerade mal zwei oder drei zur Wahl."

Für die Industrie lohnt sich auch der Blick über den Tellerrand. Kosmetik ohne tierische Inhaltsstoffe und ohne Tierversuche sind Muslimen genauso wichtig wie Mode, Hotels und Finanzprodukte, die den Lehren des Korans entsprechen. Auch das Gesundheitswesen ist ein noch unentdeckter Markt.

Mahmoud Tatari hat gerade die beiden ersten Krankenhäuser in Deutschland zertifiziert. Neben "Halal"-Essen bieten sie den Patienten die Behandlung von Ärzten und Pflegern des eigenen Geschlechts plus einen Fahrservice in die nächste Moschee.

Der "Halal"-Markt ist bereits jetzt riesig. Und der gegenwärtige Boom ist nicht nur als weltweiter Wirtschaftstrend zu verstehen. Die wachsende Bedeutung muslimischen Konsumverhaltens steht auch für einen Wandel ihres gesellschaftlichen Selbstbewusstseins.

"Muslime geben ihr Geld eher für 'Halal'-Produkte als für politische Ziele aus", meint Zahed Amanullah, Europa-Chef des Verbraucherportals zabihah.com. Soll heißen: Islamische Identität lässt sich auch über den Einkaufswagen definieren.

Daniela Schröder

© Qantara.de 2009


waharania Offline




Beiträge: 672

12.10.2009 19:14
#3 RE: Halal-Food antworten

danke amra,
ich fände es auch schön, wenn es im aldi oder penny usw. halal produkte gäbe. beim marokkaner oder türken einzukaufen, ist auf dauer einfach zu teuer.

wie im artikel gesagt wurde, bin ich auch der meinung, dass die massenproduktion kein halal schlachten zulässt. wenn man sich die abläufe mal vorstellt und auch wenn man sich die videos auf youtube u.ä. aus saudi arabien oder dem libanon ansieht, dann kann man zu gar keiner anderen schlussfolgerung gelangen. deshalb reicht es mir (uns) kein schweinefleisch zu kaufen.

so manch andere dinge finde ich aber einfach albern bzw. übertrieben. z.b. die reinigung von maschinen ohne alkohol oder die klärung von apfelsaft mit schweinegelatine. da sage ich immer, man kann auch erbsen zählen.

LG

Grit

Was immer passiert, tue immer so, als wäre es genau deine Absicht gewesen.
Paul Dickson

amra Offline



Beiträge: 156

06.03.2010 17:33
#4 RE: Halal-Food antworten

Hallo,

neben dem Essen wird jetzt auch die Hotelbranche nach "Halal"-Kriterien beurteilt:

http://www.welt.de/reise/article6660184/...orno-Kanal.html

Gruß und Salam
amra

Mariama Offline



Beiträge: 1

11.06.2010 06:33
#5 RE: Halal-Food antworten

Salamalaikoum,

also bei uns im Aldi gibt es Halal-Hähnchen und Pute. Das ist echt eine Erleichterung, dass ich nicht immer den Weg zum türkischen Geschäft machen muss.

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