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Dieses Thema hat 11 Antworten
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 KAFFEEKLATSCH
amra Offline



Beiträge: 156

30.08.2009 22:31
Burkini antworten

Hallo und Salam,

vor kurzem lief ein Beitrag im Heute Journal über den sogenannten "Burkini" (Burka/Bikini), einen Ganzkörperbadeanzug für die Frau. Eine französische Konvertitin besuchte gemeinsam mit ihren Kindern eine Badeanstalt in Paris. Als sie nochmals hingehen wollte, wurde ihr der Zutritt aus "hygienischen" Gründen verweigert. Die Konvertitin vermutete jedoch Diskriminierung und wandte sich an die Öffentlichkeit. Wegen dieser Sache gab es viel Trubel in Frankreich, wobei die meisten sich gegen diesen Burkini aussprachen.Um ehrlich zu sein, finde ich den Burkini etwas übertrieben. Damit zieht die Trägerin eher die Blicke auf sich, obwohl das Gegenteil damit beabsichtigt war. Was denkt Ihr?

Gruß

amra

sina Offline



Beiträge: 7

01.09.2009 17:41
#2 RE: Burkini antworten

salam amra!
ich finde das Teil sieht aus wie ein Taucheranzug!
Ich persönlich würde es nicht tragen.Ich gehe eh nie schwimmen.
Mal mit den Füßen ins Meer,das reicht mir dann auch.
Ich habe 3 Töchter.Die beiden Großen (10 u.12 Jahre)gehen mit
Shorts und Top schwimmen und meine Kleine(3 Jahre)im Badeanzug.
Neulich, als sie von der Schule aus im Schwimmbad waren,wollten
die Bademeister verbieten,das sie so ins Wasser gehen.
Das fand ich natürlich nicht so toll!

amra Offline



Beiträge: 156

01.09.2009 18:49
#3 RE: Burkini antworten

Hallo und Salam,

seltsam, wie sich alles entwickelt. Als ich Kind war, liefen alle Frauen im Bikini auf dem Strand und auch in der Ortschaft(Algier:Moretti,Sidi Fredj) herum. Das war absolute Normalität und niemand fand Anstoß daran. Und diejenigen, die Ihre Anziehsachen anbehielten, stammten aus dem Landesinneren und galten einwenig als rückständig.Aber auch die Frauen in Deutschland am Anfang des 20 Jahrhunderts waren verhüllt. So formulierte ein Ratgeber für Familie und Haus aus dem Jahre 1903:"kein weibliches Wesen von sittlicher Bildung sollte sich einer Mode anbequemen, welche seine Reize in einer das Zartgefühl verletzende Weise hervorhebt. Nie wird ein Herz auf diesen Wege erobert, höchstens niedere Leidenschaft vorübergehend entfesselt". Irgendwie amüsant, aber das scheint ja wieder in Mode zu kommen!!

Gruß
amra

Kabyle Offline



Beiträge: 451

01.09.2009 21:43
#4 RE: Burkini antworten

Hallo Amra,

ich kann, was du geschrieben hast, nur bestätigen. Die damalige Normalität, die Du in Moretti oder auch in Club des Pins beschrieben hast, habe ich auch erlebt.
Dein Begriff „Mode, finde ich passend, um bestimmte Erscheinungen in Algerien zu erklären.
Vieles ist jedoch das Ergebnis von Angst in Algerien. Angst hat häufig radikale Verhaltensweisen als Folge.

Gruß und Salam

waharania Offline




Beiträge: 672

02.09.2009 11:29
#5 RE: Burkini antworten

ich finde auch, dass man damit genau das gegenteil bewirkt: man fällt total auf!
wenn sie nicht möchte, dass man haut sieht, dann wäre frauenschwimmen die bessere lösung.
ansonsten kann man sich auch zum schwimmen so kleiden, dass niemandem der sabber aus dem mund läuft.

LG

Grit

Was immer passiert, tue immer so, als wäre es genau deine Absicht gewesen.
Paul Dickson

amra Offline



Beiträge: 156

02.09.2009 13:44
#6 RE: Burkini antworten

Hallo Kabyl,

wie lässt sich jedoch diese Verhaltensweise hier in Deutschland erklären?Man sollte froh sein, hier einige Freiheiten genießen zu können und trotzdem legen sich die Menschen, im genannten Beispiel die Frauen, ohne ersichtliche Not,Zwängen auf. Im Ergebnis wird einer Ausgrenzung Vorschub geleistet. Was jedoch nicht bedeuten soll, dass man sich komplett assimilieren und seine Identität aufgeben sollte.Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Artikel im aktuellen Spiegel mit dem Titel:"Verfluchte Freiheit", in dem über ein ägytischer Akademiker berichtet wird, der kürzlich seine Lebensgeschichte veröffentlicht hat.Zunächst war er Anhänger der Muslimbrüderschaft in Ägypten,dann heiratete er eine wesentlich ältere Deutsche und kam hierher.Die Ehe hielt nicht, er studierte, heiratete eine andere Frau und arbeitet nun am Institut für jüdische Geschichte und Kultur, wo er gerade seine Dessertation absolviert.Am Ende sagt er:"Ich bin ein Muslim, der vom Glauben zum Wissen konvertiert ist" und dann wird hinzugefügt, er könne Paulaner, Franziskaner und Erdinger Weißbier am Geschmack unterscheiden. Beim Lesen des Artikels hat man dann das Gefühl,dass das Unterscheidenkönnen der Biersorten und die Distanz zum Glauben auf eine "gelungene" Integration hinweist.

Gruß
amra

waharania Offline




Beiträge: 672

02.09.2009 14:50
#7 RE: Burkini antworten

so eine auffassung finde ich immer ganz schlimm. bin ich dann jetzt auch nicht mehr integriert, weil ich konvertiert bin? oder solche aussagen: ach du bist muslimA, das hat man gar nicht gemerkt. erstens fühlt man förmlich in der achtung der leute zu sinken (zum glück nicht alle) und zweitens, was soll man denn merken?
der islam hat ein völlig verzerrtes bild in der gesellschaft, zu dem allerdings solche leute wie die dame mit dem burkini beitragen.

LG

Grit

Was immer passiert, tue immer so, als wäre es genau deine Absicht gewesen.
Paul Dickson

Kabyle Offline



Beiträge: 451

02.09.2009 17:03
#8 RE: Burkini antworten

Hallo Amra,

zuerst glaube ich grundsätzlich nicht, dass man mit einem oder einigen Beispielen auf das Ganze schließen kann. Es gibt aber, auch hier, einige Tendenzen, die, aus meiner Sicht, erklärlich sind.
Die Mehrheit der Menschen aus dem „Süden“, die nach Europa gekommen ist, verfügt zum Großteil über ein geringes Bildungsniveau.(Ich sage das nicht abwertend). Das erklärt häufig unter anderem, warum sie im eigenen Land oft keine Beschäftigung fanden (zumindest keine, mit der sie leben konnte). Abgesehen davon, wurden sie auch oft deswegen im eigenen Land diskriminiert und abgewertet. Nun kommen sie hierher oft mit wenig oder ohne Sprachkenntnisse und auch manchmal mit einem Minderwertigkeitskomplex.
Arbeit gibt es, oder eher gab es, aber die Kommunikation mit den Einheimischen ist/war fast unmöglich. Wie wichtig die Kommunikation für die Menschen im Süden ist, erkennt jeder, der sich im Süden aufgehalten hat. Die Folge ist, dass sie unter sich bleiben und bilden die gleichen Abhängigkeiten wir in der Heimat. In der Heimat hängt vieles von verwandtschaftlichen Beziehungen, von Sympathie/Antipathie, Vetternwirtschaft usw. ab.
Die Institutionen dort spielen eine geringere Rolle. Oft ist es so, dass man sich in der Heimat an Institutionen erst wendet, wenn alle anderen „privaten “ Möglichkeiten ausgeschöpft sind. (wenn überhaupt).
Das hast Du vielleicht festgestellt, wenn Du Dich öfter in Algerien beispielsweise aufgehalten hast. Unter diesen Umständen und Bedingungen wundere ich mich wenig, dass viele Ausländer in ihrem neuen Aufenthaltsort nicht ankommen.
Was nun Dein Beispiel über den ägyptischen Akademiker angeht.
Ich denke nach wie vor, dass Bildung eine wichtige Rolle spielt, um sich in verschiedenen Gesellschaften zurecht zu finden. Aber unter Bildung verstehe ich nicht nur die Beherrschung „seines Faches“, sondern eine allgemeine Bildung, die Menschen befähigt, miteinander ohne Vorurteile und vorgefaßte Meinung zu kommunizieren. Was für manche, auch Akademiker, ab und zu schwer fällt.
Zum Ägypter zurück. Ich bin sehr skeptisch zu hören, dass seine Unterscheidung der Biersorten ein Zeichen von „gelungener“ Integration darstellen sollte/könnte.
Vielleicht auch deswegen, weil ich lange Zeit im Suchtbereich tätig war. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen, die „bestimmte Sachen“ spät entdecken, dazu neigen, es zu übertreiben.
Dies gilt übrigens für religiöse Fanatiker. Ich habe nicht selten beobachtet, dass es in vielen Fällen Leute waren, die sehr lange Zeit mit der Religion überhaupt nichts am Hut hatten. Im Gegenteil, einige hielten sich sogar oft am Rande jeder Legalität auf. Plötzlich sind sie dann die neuen radikalen „Gesetzgeber“, als würden sie etwas nachholen oder wiedergutmachen wollen.
Ich weiß nicht Amra, ob ich auf deine Frage geantwortet habe? Das ist aber momentan alles, was mir einfällt.

Gruß und Salam

Kabyle Offline



Beiträge: 451

02.09.2009 19:02
#9 RE: Burkini antworten

Etwas habe ich in Zusammenhang mit Freiheit vergessen.

Freiheit macht Sinn, vor allem, für die Leute, die sie sich „erarbeiten“ (erkämpfen). Freiheit vorzufinden, kann für einige Menschen eine Bedrohung darstellen. Sie haben Angst, sich zu verlieren.
Die Folge kann verschieden Formen nehmen, unter anderem eine Abschottung und/oder die Sehnsucht nach klaren Regeln. Nicht jeder kann mit vorgefundener Freiheit umgehen.

Gruß und Salam

amra Offline



Beiträge: 156

02.09.2009 22:52
#10 RE: Burkini antworten

Hallo Kabyl,

natürlich wollte ich mit dem genannten Beispiel nicht auf das Ganze schließen, muss aber feststellen,dass ich solchen Menschen relativ oft begegne.Ich denke, dass die sozialen Strukturen und die kaum vorhandenen Institutionen (aus den südlichen Ländern), die Du angesprochen hast, eine Ursache für dieses Verhalten vieler Migranten in Deutschland ist. Hier in Deutschland ist die informelle soziale Kontrolle, gerade in größeren Städten, kaum vorhanden, so dass man vielleicht eine gewisse Sehnsucht nach festen Reglementierungen, auch im Privatbereich,hat, um Halt zu bekommen. Möglicherweise ist man mit der vielen Freiheit auch überfordert und muss erst lernen damit zurechtzukommen.Einige sind auch so radikal religiös geworden(als eine Tendenz), dass sie von der eigenen Verwandschaft in den Heimatländern nicht mehr verstanden werden.Ich kann Deine Argemententation gut nachvollziehen, obwohl ich nur einige Jahre in Algier gelebt habe.
Die Parellele zum Suchtbereich finde ich treffend. Ich habe im Hinblick auf die nordafrikanischen Abhängigen (die oft erst mit Mitte Zwanzig Drogenabhängig wurden) festgestellt(auch während meines Praktikums bei einem Strafverteidiger), dass diese völlig überfordert mit der vorgefundenen Situation waren und erst in den Heimatländern den Entzug geschafft haben. Vielleicht auch wegen der dortigen sozialen Kontrolle.Sie habe hier so gelebt, wie sie es in Algerien nie hätten tun können. Hier hat es aber solange niemanden interessiert, bis sie aufgrund ihrer BTM Kriminalität auffällig wurden und hier nicht mehr erwünscht waren. Großartige Thearpiemaßnahmen wurden, meiner Erfahrung nach, nicht besonders häufig durchgeführt.
Mit der Freiheit ist es wirklich so, dass man sie sich erkämpfen muss, um sie richtig schätzen zu lernen und damit ungehen zu können. Vielleicht braucht man etwas Unterstützung beim Umgang mit der Freiheit.
Ja, ich denke, du hast mir jedenfalls viele Anregungen gegeben.Danke und weiter so!

Gruß
amra

amra Offline



Beiträge: 156

03.09.2009 14:36
#11 RE: Burkini antworten

Hallo Waharania,

ich finde, Du hast Recht damit, dass solche Menschen für das Image des Islams in Deutschland nicht gerade förderlich sind. Zur Zeit ist man im ständigen Rechtfertigungszwang und muss permanent die Leute aufklären.Auf Unverständnis trifft man in allen Bevölkerungsschichten, gerade auch bei den Gebildeten,die anscheinend den Auftrag haben, der islamischen Frau zur Gleichberechtigung zu verhelfen.Dabei ist die Frau gerade auch im christlichen Deutschland nicht gleichberechtigt. Das zeigt sich bereits an den Gehälter der Frauen, die signifikant niedriger sind.Auch die Zugangschancen (bei gleicher Eignung) zu höher qualifizierten Jobs sind hier schwierig.Und in islamischen Ländern gab es schon viel früher eine Regierungschefin. Im Moment sind die Zeiten ziemlich schwierig.

Gruß
amra

waharania Offline




Beiträge: 672

03.09.2009 15:37
#12 RE: Burkini antworten

hallo amra,

leider ist es ja auch so, dass sich niemand mit dem thema beschäftigen möchte. alle plappern vorgefasste phrasen nach und meinen, ahnung zu haben.
z.b. meine mutter, sie macht sich sorgen, um mich und um ihr enkelkind. woher sie ihre informationen zum islam hat, kann ich nicht sagen. aber wenn ich mich um mein kind sorge, dann frage ich doch mal genauer nach?
wobei ich sagen muss, dass ich mein äußeres eigentlich nicht geändert habe, seit der konversion. aber bei mir gibt es kein schweinefleisch und keinen alkohol mehr, da reitet sie nun ständig drauf rum.

ich finde es schade, dass man sich in dtl. so derart verstellen muss. konvertierte verschweigen es lieber und muslimische migranten oder personen mit migrationshintergrund gelten erst dann als integriert oder normal, wenn der lebensstil zumindest nach außen hin völlig westlich konform ist.

armes deutschland

LG

Grit

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