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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 1.102 mal aufgerufen
 KAFFEEKLATSCH
Kabyle Offline



Beiträge: 451

07.02.2010 14:16
Burn-out-Syndrom antworten

Hallo,

Auszüge aus einem Interview in "SZ" von gestern.

''Die heutige Arbeit passt nicht zum Menschen''

Keine Anerkennung vom Chef, familiäre Stresssituationen: Therapeut Manfred Nelting über Ursachen und Behandlung eines Burn-out.
Manfred Nelting hat gemeinsam mit seiner Frau vor fünf Jahren die Gezeitenhausklinik in Bonn, ein Fachkrankenhaus für Psychosomatische Medizin und Traditionelle Chinesische Medizin gegründet. Nelting, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor der Klinik, ist
Facharzt für psychotherapeutische Medizin, Allgemeinmedizin und Homöopath. Die Klinik ist spezialisiert auf die Behandlung von Burn-out-Syndromen.


sueddeutsche.de: Wie kommt es zu einem Burn-out-Syndrom?

Manfred Nelting: Wenn der Anforderungsdruck im Leben - egal ob beruflich oder privat - und die Bewältigungskompetenz über einen längeren Zeitraum nicht zusammenpassen, dann läuft man Gefahr, in ein Burn-out-Syndrom zu geraten.

sueddeutsche.de: Wie stellt man fest, dass ein Burn-out naht, dass man mehr als nur gestresst ist?

Nelting: Wenn man merkt, dass sich der eigene Zustand ändert. Wenn man dauernd Infekte hat, einen Hörsturz, Magenschmerzen. Wenn man Angst vor der Arbeit hat - wenn also grundlegende Dinge einen anderen Charakter haben als früher. Dann lohnt es sich, mit einem Arzt zu sprechen. Das kann dann ein Burn-out sein, oder eine andere Erkrankung, die es einem erschwert, die normale Leistung zu erbringen. Das muss man abklären lassen.

sueddeutsche.de: Welche Menschen sind vor allem betroffen?

Nelting: Engagierte Menschen. Wer innerlich gekündigt hat oder Arbeit nach Vorschrift macht, ist weniger burn-out-gefährdet. Burn-out-Patienten halten das, was sie machen, für richtig. Sie investieren also in ihren Weg, machen Karriere, sorgen dafür, dass sie Geld verdienen. Wenn man diese Investitionen einmal gemacht hat und dann feststellt, dass der Weg doch nicht richtig ist, ist es sehr schwer, diesen Weg zu verlassen - denn dann müsste man ja sozusagen alle Investitionen abschreiben. Deswegen kommt es also zu Verzögerungen. Später, wenn man wesentlich tiefer drinsteckt und schon sehr erschöpft ist, versucht man, sich die Situation schönzureden.

sueddeutsche.de: Auch privat kann es zu Überforderung kommen. Ist ein privates Burn-out dem beruflichen ähnlich?

Nelting: Private Burn-out-Situationen kommen zustande, wenn man zum Beispiel bei voller Leistungserbringung einen andauernden Ehestreit hat, wenn die Partner verstummt sind, wenn eine Entscheidung nötig wäre, aber nicht gefällt wird. Solche Zustände können ungeheure innere Erregung verursachen, die sehr anstrengend ist. Auch ein behindertes Kind oder Eltern, die gepflegt werden, können zu einem zu großen Anforderungsdruck im Privaten führen. Wenn dann noch Geldmangel hinzukommt, kann es schlicht zu viel werden. Von privaten Burn-outs sind deshalb meistens Frauen betroffen, die ja am meisten mit Doppelbelastungen zurechtkommen müssen. Gleichzeitig trauen sich Frauen lange zu, dass sie das hinbekommen. Frauen glauben oft, dass diese Belastung schlicht ihre Aufgabe ist und sie es schaffen müssen

(.....)

sueddeutsche.de: Warum nehmen Burn-out-Fälle in den letzten Jahren so zu?

Nelting: Früher gab es in der Arbeitswelt andere Gefahren, da gab es Unfälle, Todesfälle, Verschleißkrankheiten, aber die Arbeitsplatzsicherheit war höher. Heute hat der Anteil der psychischen Krankheiten so stark zugenommen, dass man sagen kann: Die heutige Arbeitswelt bietet nicht mehr das, was ein Mensch eigentlich braucht. Es wäre also an der Zeit, sich mal Gedanken darüber zu machen, welche Rahmenbedingungen die Arbeitswelt bieten muss, damit wir mit unserem menschlichen Regulationssystem, unserem Stresssystem noch damit zurechtkommen. Heute haben die Menschen ständig Angst, dass sie der Nächste sind bei Entlassungen. Auf allen Stufen, vom Arbeiter bis zum Vorstand. Nur dass der Vorstand noch das Glück seiner Abfindungsvereinbarung im Hintergrund hat.

Das gesamte Interview unter: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/777/502016/text/

Gruß und Salam

amra Offline



Beiträge: 156

08.02.2010 11:53
#2 RE: Burn-out-Syndrom antworten

Hallo,

ein wirklich sehr schwer zu lösendes Problem.Sich einfach Hilfe zu holen, wenn man sich in einer solchen Situation befindet, finde ich äußerst problematisch. Wer kann alles stehen und liegen lassen und mal in die Klinik gehen? Wer kümmert sich zB in der Zeit um die Kinder und um das Geldverdienen!Nicht unwichtig ist für die Betroffenen auch, welchen Druck sie sich selbst aussetzen und ausgesetzt werden.Wer nicht funktioniert, gilt einfach als nicht leistungsfähig und ist gesellschaftlich nicht anerkannt. Und wer ist bereit sich dem auszusetzen?
Reden ist ja schön und gut, aber in der Realität ist es nicht so, dass irgendjemand bereit wäre zu helfen oder dem Betroffenen beizustehen. Schlimmstenfalls bekommt man zu hören, dass andere mit den Belastungen auch klar kommen. Ich finde, das ist ein echtes Dilemma.Die Einstellung der Gesellschaft müsste sich hierzu ändern.

Gruß und Salam
amra

waharania Offline




Beiträge: 672

08.02.2010 12:55
#3 RE: Burn-out-Syndrom antworten

das ist ein schwieriges thema. obwohl man weiß, dass es burn-out gibt, sind wohl die meisten nicht bereit so was zuzugeben. da wird man doch meist als weichei oder hysterische frau dargestellt.
wie amra sagte, müsste sich erstmal die einstellung der gesellschaft insgesamt ändern. aber ich glaube, wenn sich dass ändern würde, hätte man vorher schon rausgefunden, dass die arbeitswelt allgemein geändert werden müsste.

LG

waharania

Was immer passiert, tue immer so, als wäre es genau deine Absicht gewesen.
Paul Dickson

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