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Dieses Thema hat 34 Antworten
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 ALGERISCHE KULTUR
Seiten 1 | 2 | 3
waharania Offline




Beiträge: 672

06.08.2007 21:30
#16 RE: Literatur: Leila Sebbar, Biographie antworten

...danke bavarois,
sehr informativ und da weiß ich ja, wonach ich demnächst im buchladen frage.

lg

grit

Bavarois Offline




Beiträge: 804

10.08.2007 19:20
#17 Romanautorin Assia Djebbar antworten

Assia Djebar

eine von Nordafrikas bekanntesten und anerkanntesten Schriftstellerinnen

Assia Djebar - Algerische Romanautorin, Übersetzerin und Filmemacherin - eine von Nordafrikas bekanntesten und anerkanntesten Schriftstellerinnen. Djebar hat auch Gedichte, Theaterstücke und Kurzgeschichten herausgegeben zwei Filme produziert. In ihren Büchern hat Djebar den Kampf für soziale Emanzipation und die Welt der muslimischen Frau in seiner Komplexität erkundet. Ihr starker Feminismus hat ihr viel Lob eingebracht. Mehrere ihrer Arbeiten handeln von der Wirkung des Kriegs auf das Gefühlsleben der Frauen.

Biographie

Assia Djebar wurde in Cherchell, einer kleinen Küstenstadt nahe Algier geboren. Sie besuchte die Grundschule, wo ihr Vater Französisch lehrte. Sie beendete die weiterführende Schule in Algier. Nach ihren Studien am Lycée Fénélon in Paris wurde sie die erste algerische Frauen der École Normale Supérieure . Sie schloss sich dem algerischen Studentenstreik von 1956 in den frühen Jahren des algerischen Unabhängigkeitskampfs an und in 1958 heiratete sie Ahmed Ould Rouïs, ein Mitglied des Widerstands. Die Ehe endete in Scheidung und in 1980 heiratete sie den Dichter Malek Alloula. In Tunis schrieb sie die Kurzgeschichte "Es gibt kein Exil", aber gab diese nicht bis zu 1980 heraus, weil sie vorher nicht ihre Zweifel am Krieg aussprechen wollte.

Als Romanautorin machte Djebar ihr Debüt mit LA SOIF 1957. Der Roman wurde in zwei Monate während des Studentenaufstands in 1956 geschrieben. Die Missbilligung ihres Vaters fürchtend, übernahm sie ihr Pseudonym, des sie seither behalten hat.

Während des Befreiungskriegs kollaborierte Djebar mit der antikolonialen-FLN (Nationale Befreiungsfront) Zeitung El-Moujahid. Sie ging ihrer Arbeit als Assistentin an der Universität von Rabat nach und nahm an verschiedenen algerischen kulturellen Aktivitäten teil. Während ihres Aufenthalts in Marokko schrieb Djebar ihrem drittem Roman, LES ENFANTS DU NOVEAU MONDE (1962) - ein lebhaftes Bild vom Dorfleben, wo häusliches Dramen mit denen des Krieges verwebt wurden.

Nachdem Algerien seine Unabhängigkeit gewann, wurde Djebar kritisiert, weil sie in Französisch schrieb, als andere Schriftsteller in der neuen Landessprache Arabisch schrieben. Sie lehrte nordafrikanische Geschichte und arbeitete mit der algerischen Presse und dem algerischen Radio. In 1967 erschien das Drama der verlorenen Flüchtlingsgeneration LES ALOUETTES NAIÏVES.

In den 1970ern begann Djebar, klassisches Arabisch zu studieren, um ihre Ausdrucksmöglichkeiten zu vergrößern. In ihren späteren Romanen hat sie die französische Sprache in der Art manipulier, dass sie ihr den Rhythmus des Arabischen gab. Sie wandte sich auch dem Kino zu, um jene zu erreichen, die nicht lesen konnten. Ihr erster Film, "La Nouba DE femmes du Mont Chenoua" (1979) gewann den internationalen Kritikerpreis der 1979ger Filmfestspiele in Venedig.

Djebars lange literarische Stille in den 1970gern war die Erkenntnis, dass sie keine Schriftstellerin werden würde, die das Arabische als Sprache verwenden konnten und ihr Interesse an anderen Kunstformen. Sie arbeitete als ein stellvertretender Direktor an einer Anzahl von Produktionen. In 1973 leitete sie ihre eigene Adaption von Tom Eyens Schauspiel über Marilyn Monroe, "The white Whore and the Bitplayer". Als Djebar zur Universität von Algier zurückkehrte begann sie Theater und Film zu lehren.

LES FEMMES D'ALGER DANS LEUR APPARTEMENTR (1980) war eine Sammlung von Kurzgeschichten und bedeutete einen Wendepunkt in Djebars Karriere als Schriftstellerin. Nach einer Stille von zehn Jahren wurde das Buch in literarischen Kreisen begrüßt. Es beschrieb die weltabgeschiedenen algerischen Frauen, die immer noch im Harem gefangen gehalten werden.

LA Fantasie (1985) mischte Autobiographie, historische Berichte über die französische Eroberung Algeriens von 1830 und den Algerienkriegen.

Djebar hat oft pessimistisch die Fähigkeit der Frauen betrachtet, das Patriarchat zu ändern.

Djebar lehrte für viele Jahre Geschichte an der Universität von Algier. Sie gewann 1996 den Neustadt Preis für Beiträge zu Weltliteratur. In 1997 erhielt sie den Yourcenar Preis und in 2000 den "Friedenspreis des Deutschen Buchhandels".

Djebar wurde in 1997 Professor und zum Direktor vom Zentrum für französische und französischsprechende Studien der Louisiana Staatsuniversität ernannt. Ihre Hauptromane sind nicht ins Arabische ihrer algerischen Heimat übersetz, aber ihre Übersetzungen werden von einem breiten Publikum in Europa und in Nordamerika gelesen.

Rezension der Neuen Zürcher Zeitung von Renate Wiggershaus

Im Sommer 1956, im zweiten Jahr des algerischen Unabhängigkeitskrieges, traten die algerischen Studenten in Paris in den Streik, um so ihre Solidarität mit ihren kämpfenden Landsleuten zu bekunden. Unter den Streikenden war auch die zwanzigjährige Fatima-Zohra Imalayène. Sie hatte als erste Frau aus den französischen Kolonien ein Stipendium an der renommierten Ecole Normale Supérieure von Sèvres erhalten. Nun schrieb sie statt der fälligen Examensarbeiten in nur wenigen Monaten den Roman «La Soif». Mit dessen Publikation unter dem aus Rücksicht auf die Familie angenommenen Pseudonym Assia Djebar begann 1957 die Karriere der heute berühmten Autorin und Historikerin.

Die vollständig überarbeitete deutsche Ausgabe enthält nun im Anhang ein Nachwort und ein aufschlussreiches Interview, das die amerikanische Literaturwissenschafterin Clarisse Zimra mit der Autorin führte. Djebar betont darin, sie habe, alles Autobiographische ausklammernd, «eine gewisse Härte und Präzision des Denkens» erproben wollen. In der Tat handelt es sich bei diesem Roman um ein doppeltes Experimentieren: Zum einen stellt er eine «Stilübung» in französischer Sprache dar; zum anderen ein Erforschen zwischenmenschlicher Beziehungen wie Liebe, Hass, Eifersucht, Freundschaft.

Nadia, Tochter einer Französin und eines Algeriers, löst ihre Verlobung auf, weil der Mann von ihr verlangt, sie habe nur noch für ihn da zu sein und alle freundschaftlichen Kontakte zu anderen Männern abzubrechen. Sie verbringt ihre Sommerferien in einem vorwiegend von Europäern frequentierten Badeort nicht weit von Algier. Beiläufig wird erwähnt, dass sie an einer Magisterarbeit schreibt und Jazz, Partys und Autorennen liebt. Hinter ihrem hedonistisch-mondänen Lebensstil verbirgt sich indes eine uneingestandene Sehnsucht nach Freundschaft und Liebe. Eines Tages trifft sie zufällig eine Freundin wieder, die ihr während der gemeinsamen Internatszeit als unnahbar erschienen war und die sie deswegen bewundert hatte. Diese Jedla und ihr Mann Ali, ein angesehener Journalist, der in Paris und Algier gleichermassen zu Hause ist, verbringen ihre Ferien am Meer, damit Jedla sich von einer Fehlgeburt erholt.

Die beiden erscheinen Nadia als ein schwermütig-schönes, sich gegenseitig vertrauendes Paar. Zu diesen dreien stösst Hassein, ein junger Rechtsanwalt aus Algier, der sowohl mit Nadia als auch mit Ali befreundet ist. Nadia schätzt ihn seines beissenden Spotts und seiner Ironie wegen. Zunächst hat es den Anschein, als schüfen die freundschaftlichen Beziehungen die besten Voraussetzungen für einen anregenden und glücklichen Sommer. Doch Eitelkeiten und Verletztheiten, das Ausgraben alter Verfehlungen, das Unvermögen, zu verzeihen, führen zu dramatischen Hass- und Eifersuchtsausbrüchen, zu Misstrauensbekundungen und törichten Fluchten, zu Intrigen und gegenseitigen Erniedrigungen.

Das Fatale, zuweilen auch Komische an dieser Demonstration entfesselter Leidenschaften ergibt sich daraus, dass alle vier glauben, die Fäden der Verstrickungen in den Händen zu halten und die anderen nach ihrem Willen tanzen zu lassen, in Wirklichkeit jedoch Spielbälle eigener unkontrollierter Gefühle und des Intrigenspiels der anderen sind. Das traurige Ende von Jedla lässt Nadia zur Besinnung kommen. Indem sie Hassein nun endlich offen und ernst entgegentritt, vermag auch er sein zynisches Verhalten abzulegen, das letztlich der Abwehr von Verletzungen diente.

Die Chemie der Gefühle wird hier in einer Art Laborsituation erprobt. Dazu passt es dann fast schon wieder, dass die Figuren zuweilen recht holzschnittartig und künstlich gezeichnet sind in dieser - wie die Autorin im Rückblick zu Recht meint - «gut konstruierten straffen Geschichte». Von den drei zentralen Themen, die bis heute ihr Werk prägen, steht hier im Zentrum das erste: die Liebe und was sie bewirken kann. Das zweite - Politik und Geschichte - spielt nur eine marginale Rolle. In dem Interview mit Clarisse Zimra sagt Djebar, der Krieg sei so sehr Teil ihres Alltagslebens gewesen, dass sie damals ausserstande gewesen sei, ihn in Literatur zu verwandeln. Ihr Mann war ein im Untergrund lebender Widerstandskämpfer; ihr Bruder sass aus politischen Gründen in einem französischen Gefängnis. Das dritte Thema schliesslich - Kunst und Sprache - tritt hier erst im Hintergrund auf. Ali, der Journalist, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, eine arabisch-französische Zeitung zu gründen, eine Brücke zwischen den Kulturen zu schlagen. Die Romanfigur scheitert, doch ihr völkerverbindender Plan wurde mitten im Krieg als Idee der Versöhnung unter die Leute gebracht durch den französischen Roman einer algerischen Studentin.

waharania Offline




Beiträge: 672

10.08.2007 23:19
#18 RE: Romanautorin Assia Djebbar antworten

ich habe von ihr gelesen "Fantasia"
nur zu empfehlen

chebbalayla Offline



Beiträge: 6

12.08.2007 09:57
#19 RE: Romanautorin Assia Djebbar antworten

Hi, Waharania! Ich habe vor einigen Jahren von ihr das Buch mit dem deutschen Titel: Oran- Algerische Nacht
(ISBN 3-293-00291-9)gelesen; es hat mich sehr berührt!
So sehr, daß ich es mir jetzt noch einmal ins Auto gelegt habe, um in Wartezeiten darin zu lesen.

Übrigens noch etwas persönliches- eigentlich nicht für dieses Thema - danke für die Rezepte, die du überall im Netz verteilst! Ich freue mich schon, einiges davon für meinen Mann zu kochen!

waharania Offline




Beiträge: 672

13.08.2007 07:37
#20 RE: Romanautorin Assia Djebbar antworten

salam chebbalayla

...danke, dass du gleich die isbn mitgeliefert hast.

ich hoffe, die rezepte gelingen dir und deinem mann schmeckt es.

lg

DarkEyes Offline



Beiträge: 119

13.08.2007 19:23
#21 RE: Romanautorin Assia Djebbar antworten

Salam zusammen,

selbst gelesen, zu empfehlen.



Leila Marouane

Entführer

Roman. Ausgezeichnet mit dem LiBeraturpreis 2004


Scheidung auf algerisch ... oder wie man einer Tragödie mit Witz begegnen kann
Nach Khadra und Binebine - ein neuer Roman aus Nordafrika. Eine algerische Autorin ist zu entdecken!

Aziz Zeitoun (60), reicher Reeder, Vater von fünf Töchtern und einem Sohn, verstößt im Jähzorn seine Frau Nayla (37), die es gewagt hat, allein aus dem Haus zu gehen und den neugeborenen Enkel im Krankenhaus mit einer Handvoll Salz vor dem bösen Blick zu retten. Aber aus der Situation wieder herauszukommen, ist nicht so einfach. Nach islamischem Recht muss Aziz seine Frau, der er längst verziehen hat, erst mit einem anderen Mann verheiraten, der sie seinerseits verstoßen muss, bevor Aziz sie zurücknehmen kann. Die Wahl fällt auf den Nachbarn, den Schriftsteller Allouchi. Doch der wird aufgrund kritischer Theaterstücke von den Islamisten verfolgt und flieht am Morgen nach der Hochzeit heimlich mit der frisch Angetrauten, deren Sohn Omar und Schwiegertochter Khadija nach Frankreich...
Die Algerierin Leila Marouane erzählt mit viel hintersinnigem Witz die tragikomische Geschichte vom Zerfall einer traditionellen Reedersfamilie in ihrer Heimat, die sich als Parabel auf ein Algerien lesen lässt, das in Lüge und Aberglauben, Doppelmoral, Heuchelei und Gewalt erstickt. Eine wunderliche, bizarre, dabei durchaus reale Geschichte, die man mit einem weinenden und einem lachenden Auge liest.



ISBN 3-85218-427-4 Pp. : EUR 17.90 (DE), EUR 17.90 (AT), sfr 30.80


Kleiner Tipp, mittlerweile findet man einiges von Algerischen Autoren in den Stadtbibliotheken,
so kann man sich das kaufen sparen!






DarkEyes Offline



Beiträge: 119

13.08.2007 19:31
#22 RE: Romanautorin Assia Djebbar antworten

Leila Marouane

Das Mädchen aus der Kasbah
Der Emanzipationsversuch einer freiheitsdurstigen Algerierin

Die Kasbah mir ihren verfallenen Gassen, den in Armut und Gottesfurcht lebenden Frauen, den durch die Straßen streunenden, arbeitslosen jugendlichen: Hadda setzt alles daran, diese Welt zu verlassen und die Fesseln ihrer traditionellen weiblichen Rolle zu sprengen.

Hadda hat minzgrüne Augen und eine Wespentaille, ist sonst aber viel zu mager und zu dunkelhäutig, um die Mütter in der Kasbah für sich einzunehmen. Eigentlich will sie von Männern nichts wissen, am wenigsten von ihrem Vetter, mit dem sie nach dem Willen der Mutter verheiratet werden soll. Weil sie jedoch gerade die Dreißig überschritten hat und man schon munkelt, sie werde wohl keinen Mann mehr bekommen, beschließt Hadda, die Telefonnummer zu wählen, die ihr Nassib, Sohn einer politisch einflußreichen und in unerhörtem Luxus lebenden Familie, ein halbes Jahr zuvor in unzweideutiger Absicht zugesteckt hat.

In der Hoffnung, diesen Playboy zur Heirat bewegen zu können, kommt sie plötzlich ganze Nächte nicht nach Hause, versetzt die Mutter in Angst und Schrecken, ignoriert das Getuschel der Frauen in der Kasbah. Doch der Traum, in das Algier der Kinopaläste, der luxuriösen Villen und Gärten überzuwechseln, ist bald ausgeträumt: Als Hadda schwanger wird, zeigt sich, daß Nassib nicht daran denkt, sie zu heiraten. Da kommt es zur Katastrophe.






Salima Offline




Beiträge: 279

13.08.2007 19:40
#23 RE: Romanautorin Assia Djebbar antworten

Hallo,-

einer -meiner Lieblingsromane von Assia Djebar ist: "Fernab von Medina" ISBN - 3-293-20088-5

Djebar beschreibt in Romanform 17 Frauen, aus den ersten Jahrzehnten des Islams.

Lg
Salima


Bavarois Offline




Beiträge: 804

17.08.2007 18:48
#24 Assia Djebar: Das verlorene Wort antworten



(La disparition de la langue française, 2003. Aus dem Französischen von Beate Till.)
Unionsverlag, Zürich 2004
252 S; Fr 39,90; € 19,90
ISBN 3-293-00338-9

Ein zentrales Thema im Werk Assia Djebars ist die Bedeutung der verschiedenen Sprachen in Algerien und deren Einfluss auf das Leben und die Identität der Menschen. Das Arabische, die Berbersprache und die einheimischen Dialekte sind die Sprachen des täglichen Lebens, der Traditionen und des Korans. Das Französische dagegen ermöglicht die Öffnung nach aussen, den Zugang zu modernem Wissen und ist auch kulturell wichtig. Aber es ist mit mehr als 130 Jahren Kolonialherrschaft, Folter und Krieg belastet und wird im heutigen Algerien zunehmend ausgeschlossen. Kunstvoll und sehr subtil verarbeitet die Autorin diesen Konflikt in ihrem Roman „Das verlorene Wort“ mit der jüngsten Geschichte ihres Landes.

Berkane, ein Mann Ende vierzig, lebt seit zwanzig Jahren in Paris. Unvermittelt überfällt ihn eines Tages ein Gefühl der Zukunftslosigkeit und Leere. Als sich auch noch unerwartet seine junge französische Freundin Marise von ihm trennt, kehrt er in seine Heimat Algerien zurück. In einem abgelegenen alten Haus am Meer will Berkane zu sich selbst finden, die Jahre des Exils abstreifen, zurückblicken und vor allem wieder schreiben. Er geniesst das Vertraute in vollen Zügen. Da sind wieder das Licht, die Luft, das Rauschen des Meeres und Gespräche im einheimischen Dialekt. Die Ernüchterung folgt bei einem Besuch in Algier. Die Altstadt Algiers, die Kasba mit ihrem früher überströmenden Leben, wo Berkane aufgewachsen ist und der blutige Befreiungskampf begann, ist heute verfallen und die winkligen Gassen wirken ausgestorben. Erinnerungen überfallen ihn.

Im Haus am Meer schreibt er dann: Zuerst sehnsuchtsvolle Briefe an Marise, die er nie abschickt, später Tagebuch und über seine Kindheit und Jugend. Mit 16 wurde er von den Franzosen verhaftet und gefoltert. Die Sprache des Erinnerns an diese Ereignisse und des Schreibens ist für ihn Französisch. Aber in der Liebe und bei den langen Gesprächen mit der faszinierenden Nadjia gebraucht er das Arabische. Die Wahl 1991 steht bevor und Nadjia entwirft düstere Prognosen für die Zukunft Algeriens. Französisch sprechende Intellektuelle werden bedroht und verlassen das Land. Berkane bleibt. Bei Recherchen im Landesinneren für seine Aufzeichnungen verschwindet er spurlos.

waharania Offline




Beiträge: 672

21.08.2007 07:57
#25 RE: Assia Djebar: Das verlorene Wort antworten

..das hört sich sehr spannend an - und gruselig (finde grad kein anderes wort).
ich weiß nicht so genau, ob ich das buch lesen möchte.

lg

grit

Maha Offline



Beiträge: 335

22.08.2007 12:50
#26 RE: Assia Djebar: Das verlorene Wort antworten

Ich glaube "Das Mädchen aus der Casbah" muss ich lesen. Das hört sich sehr gut an. Ich habe übrigens auf einer Frauenhochzeit in Algier auch erste Erfahrungen mit suchenden Müttern und Großmüttern gemacht. Ich war, weil alles neu für mich war, schüchtern außerdem noch nicht braun gebannt und "Frischfleich". Fanden sie alle ungeheuer spannend und die begleitende Großtante hat viele (An)Fragen bekommen.

waharania Offline




Beiträge: 672

22.08.2007 13:12
#27 RE: Assia Djebar: Das verlorene Wort antworten

...das kann ich mir lebhaft vorstellen.

Bavarois Offline




Beiträge: 804

31.08.2007 00:17
#28 Yasmina Khadra: Die Algier-Romane antworten





"Die drei Kommissar-Llob-Romane in einem Band

Kommissar Brahim Llob aus Algier, humorvoll, sarkastisch und dabei absolut integer, scheint auf verlorenem Posten zu stehen. Das Leben in Algier wird geprägt von bürgerkriegsähnlichen Zuständen: Korruption, Machtkämpfe und religiöser Fanatismus regieren den Alltag. Doch Llob zögert nicht, die Drahtzieher in den höchsten Kreisen zu suchen. Khadra lässt in intensiven Bildern das vom Terror verwüstete Algerien entstehen - es ist zugleich eine Liebeserklärung an sein Land. Mit entlarvender Hellsichtigkeit inszeniert er das Drama der algerischen Gegenwart als Tragödie in drei Akten."

Morituri:
"Kurzbeschreibung
Commissaire Llob, ein integrer Polizeibeamter in Algier, kämpft gegen Verbrecher und ihre Hintermänner. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine Serie von Morden an Intellektuellen. Sie ist für die Autorin (?) der Anlass, die Situation ihrer Heimat zwischen Bürgerkrieg, Korruption, Unterdrückung, Angst und Terror zu schildern und - ausgehend von der Gegenwart - die Wurzeln des Übels zur Sprache zu bringen, die in der jüngsten Vergangenheit liegen.
Würde sie (?) nicht unter einem Pseudonym schreiben, gehörte sie wohl selbst zu den Morituri, den Todgeweihten: Yasmina Khadra - bzw. ihr männliches alter ego Commissaire Llob, der ebenfalls Kriminalromane schreibt - zögert nämlich nicht, die Drahtzieher von Verbrechen selbst in höchsten Kreisen zu suchen. Seine Hauptgegner sind jene "Kriegsgewinnler", die in schwer bewachten Luxusvillen rauschende Feste feiern und Macht und Kapital unter sich aufteilen, während in anderen Vierteln Algiers soziale Missstände die Einwohner zu Verbrechern werden lassen. Damit nimmt die Autorin (?) Abstand von jener Schwarz-Weiß-Malerei, die allein islamische Fundamentalisten als Schuldige des Bürgerkriegs ortet.
Khadras Erzählstil ist knapp, der Text manchmal fast eine comicartige Persiflage der Grausamkeiten, an anderen läßt er die kaum vorstellbare Wirklichkeit unbarmherzig hereinbrechen. Die Einbeziehung politisch-historischer Fakten sowie die Schilderungen von Volkscharakter und Landschaft verstärken den Eindruck, dass hier nicht ein fiktiver Krimi vorliegt, sondern ein Zeitzeugnis und Augenzeugenbericht."

Doppelweiß:
"Kurzbeschreibung
Kommissar Llob löst seinen zweiten "Fall" und schaut dabei wieder hinter die Fassade der sich selbst zerstörenden algerischen Gesellschaft. Die Ingredienzien passen für einen konventionellen Krimi: viele Verdächtige, garantiert Unschuldige, falsche Spuren, eindeutige Hinweise und wild wuchernde Spekulationen von Romanfiguren und Lesern gleichermaßen. Doch die algerische Autorin (?) Yasmina Khadra ist eine durch und durch politische Autorin, die das Genre des unterhaltenden Kriminalromans zur kritischen Analyse von Politik und Gesellschaft ihres Heimatlandes nützt und auch wenig informierten Lesern ein authentisches Bild von Ursachen und Hintergründen vermittelt. Das war schon im ersten Band der Kommissar-Llob-Reihe ("Morituri") so.
Die erfundene Geschichte vom Millionär Faid Dahmane, den Strohmännern seines illegalen Finanzimperiums und den damit zusammenhängenden Morden deckt tatsächliche Verhältnisse auf und lässt hinter die Fassaden der sich selbst zerstörenden algerischen Gesellschaft schauen. Sie schildert eindringlich die Atmosphäre von Angst und Verz weiflung, Demütigung und Unterdrückung sowie hilflosem Aufbegehren, nennt Korruption, Verbrechen und Terror beim Namen, auch wenn die heute Mächtigen dahinterstecken. Denn Khadra schiebt die Schuld an den Zuständen nicht allein den Islamisten zu. Das ist auch der Grund, warum sie ihre (?) Romane unter einem Pseudonym schreiben muss."

Herbst der Chimären:
"Kurzbeschreibung
Nach 35 Dienstjahren muß Commissaire Llob den Dienst quittieren. Man hat entdeckt, daß er auch als Schriftsteller tätig ist. Seine Kriminalromane, die unter dem Pseudonym Yasmina Khadra erscheinen, erregen an höchster Stelle Mißfallen. Ihm wird vorgeworfen, hohe Beamte anzuschwärzen und das Land in Mißkredit zu bringen. Tatsächlich hatte Llob in seiner Doppelrolle als Autor und Kommissar einen Zweifrontenkrieg führen müssen: gegen die Mächtigen im Land wegen ihrer korrupten Praktiken und gegen die Fundamentalisten, deren Zielscheibe er als Intellektueller war. Herbst der Chimären ist nicht in erster Linie von einer raffiniert konzipierten Kriminalhandlung bestimmt. Dafür ist das neue Buch vielleicht der politischste der drei Commissaire-Llob-Romane des algerischen Autors, der heute wie viele seiner Kollegen im Exil lebt. Nach Llobs Suspendierung passiert Mysteriöses: seine Wohnung wird durchsucht, in seinem Stammcafé gehen Handgranaten hoch. Llob weiß nicht, von welcher Seite die Bedrohung kommt. Als man ihm die Rehabilitierung und die Rückkehr auf seinen Posten anbietet, lehnt er ab. Er kann ohnehin nichts erreichen in dieser sich selbst zerstörenden Gesellschaft. Resignation und eine drastische Schlußsequenz: Wer immer in Algerien derzeit für Gerechtigkeit und gegen die vielen Mißstände auftritt, wird zum Schweigen gebracht, so die traurige Botschaft des Autors."

Über den Autor
Yasmina Khadra, Pseudonym des 1956 geborenen algerischen Autors Mohammed Moulessehoul, der im Dezember 2000 ins Exil gehen mußte und jetzt mit seiner Familie in Frankreich lebt. Als hoher Offizier der algerischen Armee mußte er nicht nur den Haß der Fundamentalisten fürchten, sondern auch das herrschende Regime und seine Nutznießer, die er als Mitschuldige an der algerischen Tragödie entlarvt.

Preis: EUR 12,00
Broschiert: 438 Seiten
Verlag: Unionsverlag; Auflage: 1 (September 2006)
Sprache: Französisch, Deutsch
ISBN-10: 3293203779
ISBN-13: 978-3293203778





Maha Offline



Beiträge: 335

31.08.2007 10:55
#29 RE: Yasmina Khadra: Die Algier-Romane antworten
Die Bücher sind total super! Die habe ich während meines Urlaubs in Algier gelesen und teilweise die dort beschriebenen Charaktäre und Begebenheiten in den Algeriern wiedererkannt. Wirklich, absolut empfehlenswertes Buch!

Lau kuntu qatratan, kunti al-matr,
lau kuntu nahran, kunti al-bahr,
laukuntu l-qamar, kunti asch-schams,
lau kuntu al-'alaam, kunti al-kaun.

Bavarois Offline




Beiträge: 804

31.08.2007 16:09
#30 RE: Yasmina Khadra: Die Algier-Romane antworten


Gelesen in Deutsch oder Französisch Maha?




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